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Bildung und Erziehung in der verwalteten Welt

Dem Befund einer Bildungskatastrophe in den 1950er Jahren, die natürlich durch die Nachwirkungen des deutschen NS-Terrors geprägt war, folgten Bestrebungen die Erziehung und Wissenschaft zu wesentlichen Antriebskräften der Demokratisierung zu machen. Aufgegriffen wurde das auch – spätestens im Zuge der sogenannten 68er-Bewegung – von der Linken: in den 1970ern haben die kritische, materialistische Bildungstheorie und dialektische Pädagogik einen enormen Auftrieb erfahren. Bis in die 1980er Jahre hinein gelang es, in den Bereichen Wissenschaft und Erziehung vielfältige Reformprozesse mitzugestalten. Bald jedoch wurde kritische Bildung in der verwalteten Welt institutionalisiert. Zudem wurden Elemente der kritischen Wissenschaft und kritischen Erziehung in »demokratisierte« Lern- und Lehranstalten integriert. So endete kritische Bildungstheorie und -praxis in banalen Forderungen wie: »Bildung für alle« oder »kindgerechte Erziehung«. Kritisch sind dabei nur noch Verbesserungsvorschläge zur Optimierung des Normalbetriebs.

Wir haben mit Roger Behrens darüber gesprochen. Er ist Autor, Publizist und Journalist und befasst sich mit der Kritik der Kulturindustrie, des Bildungswesens und der gesamten kapitalistischen Gesellschaft.