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Der Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes

100 Jahre Oktoberrevolution - anlässlich dessen erscheinen in diesem Jahr zahlreiche Bücher, Beiträge und Veranstaltungsreihen. In Dortmund eröffnet Ende November eine Ausstellung, die sich dem Gründungsmythos der Sowjetunion widmet - dem Sturm auf den Winterpalast vom 7. November 1917 - bzw nach altem julianischem Kalender am 25 Oktober. An diesem Abend hatten sich Revolutionäre Streitkräfte vor dem Winterpalast im russichen Petrograd, also im heutigen St Petersburg, versammelt. Der Panzerkreuzer Aurora gab einen Schuss ab, woraufhin aufständische Bolschewiki in den Winterpalast eindrungen und die provisorische Regierung zur Kapitulation zwangen. Nach der Festnahme der Minister durch die Roten Garden war die parlamentarische Republik aufgelöst. Die Revolution hatte gewonnen. Dieser sogenannte Sturm auf den Winterpalast wurde in der Sowjetunion lange als Tag des Siegs des Sozialismus und der Revolution gefeiert. Ein Foto dieses angeblichen Sturms sollte lange als Zeitzeugnis und Beleg für die Erstürmung des Palastes herhalten. Dieses Foto wurde allerdings nicht 1917 aufgenommen, sondern drei Jahre später, bei einer Theaterinszenierung. Dieses Bild steht im Zentrum der Ausstellung "Sturm auf den Winterpalast - Forensik eines Bildes" in Dortmung. Denn mittels dieses Bildes und anderen Dokumenten wurde in der Sowjetunion der 7. November zum Gründungsmythos erhoben. Das Bild zeigt einen Sturm, den es so nie gegeben hat. Die Ausstellung will diese inszenierte sowjetische Geschichte anhand von historischem und künstlerischem Material dekonstruieren. Kuratiert wurde die Ausstellung unter anderem von der slavistischen Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Sylvia Sasse aus Zürich. Wir sprachen mit ihr über die Ausstellung und fragten sie, was das für ein Foto ist, das zum Symbolbild der Revolution wurde.