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Die vergessene Opferperspektive – von Mölln und dem NSU-Tribunal

"Wir haben immer gesagt, es waren Nazis. Aber man wollte uns zum Schweigen bringen" Das sagen Opfer und Angehörige über die Ermittlungen zum NSU-Komplex. Aus Opfern machten die Ermittlungsbehörden damals Täter. Und auch seitdem die Aufklärung der NSU-Mordserie seit der Selbstenttarnung vor fünf Jahren in Medien, in Untersuchungsausschüssen und einem Prozess vorangetrieben wird, spielen die Opfer des NSU nur eine Nebenrolle. Sie werden nach wie vor nicht gehört. Das zu skandalisieren und zu ändern hat sich das bundesweite Aktionsbündnis "NSU Komplex auflösen" vorgenommen. Es geht aus verschiedenen Initiativen, wie etwa der Initiative "Keupstraße ist überall" und zahlreichen Einzelpersonen hervor. Dieses Bündnis "NSU Komplex auflösen" will mit weiteren Gruppen im kommenden Jahr ein NSU-Tribunal abhalten. Ein Tribunal, in dem die Opfer des NSU die Kläger und die Hauptakteure sind. Ein Tribunal, in dem es um strukturellen Rassismus und den NSU-Komplex geht. Ein Tribunal, in dem der Staat angeklagt wird, als jener, der strukturellen Rassismus befördert. Dieses Tribunal soll nächstes Jahr im Mai in Köln stattfinden - also in der Stadt, in der das Bundesamt für Verfassungsschutz seinen Sitz hat und in der der Nagelbombenanschlag in der Keupstraße stattfand. Wie das Tribunal genau aussehen soll, darüber sprachen wir mit Ayse Gülec. Sie ist bei der Kasseler "Initiative 6. April" assoziiert, die das "NSU-Tribunal" mitplant.Außerdem sprachen wir mit mit Ibrahim Arslan. Er überlebte vor 24 Jahren einen Mordanschlag in Mölln bei dem ein von zwei türkischen Familien bewohntes Haus von Neonazis in Brand gesteckt wurde. Ibrahim Arslan beklagt noch heute, dass die Opfer des Anschlags nie gehört und gewürdigt wurden. Die Verharmlosung neonazistischen Terrors und der staatliche Rassismus bilden Verbindungslinien zwischen den rassistischen Anschlägen der 90er Jahre und der NSU-Mordserie - vor allem, wenn man sich den Umgang der Öffentlichkeit mit den Opfern anschaut.