Das Peng-Kollektiv und die FAU im Kampf gegen Lieferando

Wenn man nicht mehr Essen gehen kann, da die Restaurants geschlossen haben, lässt man es sich halt liefern. Ein bekannter Essens-Lieferant ist Lieferando. Das Geschäftsmodell von Lieferando wirbt damit, Essen co2-neutral und schnell vom Restaurant nach Hause bringen zu lassen. Der Markt boomt - nicht erst seit der Corona-Pandemie. Fahrradkurier*in zu sein ist Trend, und damit lockt Lieferando auch seine Fahrer*innen: cooles Images und das Versprechen der Unabhängigkeit.

Diese Unabhängigkeit hat aber auch seinen Preis: Lieferando ist genauso wie Uber oder Urban Sports Teil der sogenannten "Gig-Economy". Das bedeutet, Aufträge werden etwa an Taxifahrer*innen, Lieferdienste und Handwerker*innen vermittelt. Eines haben sie gemeinsam: die Arbeitnehmer*innen bezahlen alle anfallenden Kosten und Risiken aus eigener Tasche. Uniformen müssen gekauft werden, Räder, die kaputt gehen, müssen selbst in Stand gesetzt werden. Wer ist angestellt, wer ist selbstständig und welche Rechte hat der/die Arbeitnehmer*in? Das sind häufig ungeklärte Fragen in der „Gig-Economy“ – einem neuen Wirtschaftsmodell, in dem Menschen nicht mehr angestellt, sondern pro „Gig“ – pro Auftrag – bezahlt werden. Ansprechpartner*innen für die Arbeitnehmer*innen sind häufig schlecht erreichbar. Vernetzung untereinander gibt es häufig nicht, da ja die Organisation zumeist online abläuft.

Was bei Lieferando noch hinzukommt und vielen auch gar nicht bewusst ist: Lieferando verdient sein Geld nicht hauptsächlich durch die Fahrer*innen in orange. Ganz im Gegenteil: diese erledigen nur 10% der Lieferungen. Die anderen 90% werden durch das sogenannte Marktplatz Modell abgedeckt. Über dieses Modell und Lieferando und einen sogenannten "Klingelstreich" beim Lieferando-Geschäftsführer Jörg Gerbig sprachen wir mit Anja vom Peng-Kollektiv und mit Mo, der selbst auch für Lieferando fährt und in der FAU aktiv ist.

Halle, Ein Fahrradkurier auf einer Lieferfahrt durch die Stadt. Foto: Andre Kehrer