„Herumtreiberinnen“ Bettina Wilpert – Lesung und Gespräch

Manja ist 17 Jahre alt und lebt im Leipzig der 1980er Jahre. Ihre beste Freundin Maxie und sie schwänzen die Schule, brechen in Schrebergärten ein und treffen sich im Freibad oder auf dem Rummel mit Jungs, bis Manja im Zimmer des Vertragsarbeiters Manuel von der Volkspolizei aufgegriffen und in Folge in die Venerologische Station für Frauen mit Geschlechtskrankheiten eingewiesen wird.

Die „Tripperburg“, so nannte der Volksmund die geschlossenen venerologischen Stationen in der DDR, gab es auch in Halle, in der ehemaligen Poliklinik Mitte. Erste Recherchen begannen im Jahr 2000, als sich eine ehemals dort Zwangsinternierte an Heidi Bohley vom Zeit-Geschichte(n) e.V. wandte und ihre unglaublich klingenden Erlebnisse schilderte. Auch in Zusammenarbeit mit der Behörde der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur folgte die wissenschaftliche und geschichtliche Aufarbeitung der erniedrigenden Disziplinierungsversuche für Frauen und Mädchen, welche sich nicht DDR-konform verhielten.

Bettina Wilpert, geboren 1989, lebt heute in Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und Leipzig. 2018 erschien ihr Debütroman »nichts, was uns passiert« im Verbrecher Verlag, für den sie u. a. mit dem ZDF- »aspekte«-Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Birgit Neumann-Becker ist Aufarbeitungsbeauftragte und damit Ansprechpartnerin für Bewohner des Landes Sachsen-Anhalt, die unter der SED-Diktatur gelitten haben und durch Wirkungen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit benachteiligt worden sind.

Steffen Hendel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Institut der MLU Halle. Er leitet u.a. die Lese- und Interviewreihe Dichtung im Gespräch von Studierenden der Germanistik und in Kooperation mit dem Literaturhaus Halle und dem Freien Radio CORAX. 2019 war hier auch Bettina Wilpert zu Gast.

Eintritt ist frei.