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NSU-Prozess: Eindringliche Berichte von Angehörigen der Opfer

"Können sie einschlafen, wenn sie den Kopf auf das Kissen legen?" das fragte vergangene Woche im NSU-Prozess Halit Yozgats Mutter die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Die Mutter von Halit Yozgat könne selbst seit elf Jahren nicht ruhig einschlafen, da sie ihren Sohn so sehr vermisse. So sagte sie es im Prozess vor dem Oberlandesgericht in München. Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 in einem Internetcafe in Kassel mutmaßlich vom NSU ermordet. Er war 21 Jahre alt. Sein Fall offenbart die unklaren Verwicklungen des Verfassungsschutzes in die NSU-Taten. Zum Tatzeitpunkt war der Verfassungsschützer Andreas Temme im Internetcafe, doch von dem Mord an Halit Yozgat will er nichts bemerkt haben. Halit Yozgats Eltern wandten sich in ihrem Statement deshalb nicht nur an die Angeklagten, sondern auch an das Gericht selbst. Das Gericht habe ihr Vertrauen verspielt, eine Aufklärung habe es für die Familie nicht gegeben. Neben der Familie Yozgat sagen insgesamt mehr als 50 Nebenklageanwälte und -Anwältinnen sowie weitere Angehörige von NSU-Opfern im Prozess aus. Einige Plädoyers wurden bereits vorgetragen, viele stehen noch aus. Was aus den bisherigen Plädoyers hervorgeht, darüber sprachen wir mit dem Prozessbeobachter Fritz Burschel.