DDR-Plattenbau und Fotografie

Gebäude bestehen nicht nur aus Beton oder Ziegelsteinen. Gebäude bestehen auch aus Geschichten, Erzählungen und Erinnerungen. Wenn eine Person, eine Familie oder eine Gemeinschaft aus einem Gebäude auszieht, werden die Geschichten und Erzählungen zu langsam verblassender Erinnerung. Umso schroffer und schmerzhafter ist dieser Prozess, wenn plötzlich eine ganze Gesellschaftsordnung zusammenbricht, samt ihrer identitätsstiftenden Idee und Geschichte. Dies geschah 1989.

Mit dem Mauerfall zerfiel nicht nur die DDR, sondern auch ein Modell der Stadtplanung und seine Gebäude in Trümmer. Die DDR-Plattenbausiedlungen erleben einen rasanten Rückbauprozess und Entvölkern sich innerhalb kürzester Zeit.

30 Jahre nach der Wiedervereinigung verfolgt der Fotograf Christoph Liepach mit seiner Arbeit das Wiederherstellen dieser intimen Räume. Aber nicht um sie nostalgisch zu verherrlichen, sondern um das Ereignis "Wende" in seiner ganzen Bandbreite verstehen zu können. Und zwar jenseits der offiziellen Erzählung der BRD über die DDR und durch die Menschen, die in den Plattenbauten auch gewohnt haben. Radio Corax hat sich mit Christoph Liepach getroffen und über seine Arbeit und seine Erinnerungen an die Plattenbausiedlung in Gera gesprochen.