Unter den Teppich gekehrt – das NSU-Unterstützungsnetzwerk in Sachsen

Sechs Jahre ist die Enttarnung des NSU nun schon her. Trotzdem sind die Ergebnisse und Konsequenzen der Ermittlungen und Untersuchungsausschüsse an vielen Stellen unzureichend. Gerade die juristische Aufklärung, die noch vor dem Oberlandesgericht in München läuft, zeigt gravierende Leerstellen auf. Diese Leerstellen kommen zustande, da die Generalbundesanwaltschaft an der Kerntrio-These von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos als NSU-Täter festhält. Allen Erkenntnissen und Kritik der Nebenklage zum Trotz werden die NSU-Morde als Morde von drei Einzeltätern dargestellt, deren Unterstützungsnetzwerk lediglich aus den Mitangeklagten im NSU-Prozess bestand. Dass diese Darstellung falsch sein muss, dass es ein breites Unterstützungsnetzwerk für den NSU gab, das zeigt die neue Broschüre des Kulturbüro Sachsen. „Unter den Teppich gekehrt – Das Unterstützungsnetzwerk des NSU in Sachsen“ - so nennt sich die kürzlich veröffentlichte Broschüre. Dazu haben die AutorInnen in einer aufwendigen Recherchearbeit die Dokumente der Untersuchungsausschüsse, des Gerichtsprozesses in München und zahlreicher Publikationen zum Thema intensiv ausgewertet. Wie das NSU-Unterstützungsnetzwerk in Sachsen aussah, und warum das nicht von staatlichen Behörden in den Blick genommen wird, darüber sprachen wir mit Hannah Zimmermann vom Kulturbüro Sachsen. Sie hat an der Broschüre mitgearbeitet. Zunächst geht sie darauf ein, welche Argumente es gegen die Kern-Trio-These gibt.