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Wer von Gentrifizierung spricht, darf von Kapitalismus nicht schweigen

Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Leipzig, Halle. In großen und mittleren Städten verschärft sich zunehmend die Wohn- und Mietsituation. Mieten steigen, die Wohnungsnot steigt und die Proteste dagegen werden stärker. Vor zwei Wochen gingen in Hamburg 3.000 Menschen gegen steigende Miete auf die Straße. Vor ein paar Wochen waren es in Berlin 25.000 Protestierende. Die Mittel, auf die Wohnungsnot aufmerksam zu machen, werden zunehmend radikaler. Ebenfalls in Berlin wurden am Pfingstwochenende mehrere Häuser besetzt - und geräumt. Auch in Stuttgart wurden kürzlich Wohnungen besetzt - und geräumt.

Die Besetzungen und Mietproteste kommen heute allerdings nicht ohne eine Einbettung in kapitalistische Verhältnisse aus. Denn: die Aufwertung ganzer Stadtteile und die Vertreibung von einkommensschwachen Bevölkerungsteilen ist so alt wie der Kapitalismus - der Widerstand der betroffenen Mieter_innen ebenfalls. Darauf machen Peter Nowak und Matthias Coers aufmerksam. Peter Nowak ist Journalist und hat zusammen mit Matthias Coers vor zwei Jahren das Buch "Umkämpftes Wohnen – Neue Solidarität in den Städten" in der edition assemblage herausgegeben. Matthias Coers ist zudem Filmemacher. Er hat 2014 den Film Mietrebellen und im vergangenen Jahr den Film „Gegenteil von Grau“ veröffentlicht. Mit beiden haben wir uns über die heutige Mieter_innenbewegung und ihre Kämpfe unterhalten. Zunächst erklärt Matthias Coers, was sich seit seinem Film Mietrebellen von 2014 in Berlin verändert hat.